Silikat

Der Begriff „Silikat“ steht für vielerlei Arten von Siliciumverbindungen. In ICP-OES-Analysen wird der gemessene/ermittelte Wert daher auch meistens als Si (Silizium oder Silicium) angegeben. Definiert sind Silikate als Salze der Ortho-Kieselsäure. In der Natur spielt Silikat eine nicht unwesentliche Rolle: Die Masse der Erde besteht zu sagenhaften 15% aus Silicium und es ist somit das zweithäufigste chemische Element. Es ist daher nicht überraschend, dass dieses Element auch in der Aquaristik eine tragende Rolle spielt und sehr häufig für Diskussionsstoff sorgt.

Silikat wird häufig der Trinkwasserversorgung zugesetzt, um diverse Rohrleitungen vor Korrosion zu schützen (permanent oder in zeitlich begrenztem Turnus). Es ist also nicht verwunderlich, wenn in unserem normalen Leitungswasser teils exorbitante Silicium-Werte zu finden sind. Um einer unerwünschten Anreicherung (und deren biologischen Folgen) zu entgehen, sollten diese möglichst nicht in unser Meerwassersystem gelangen.

Hier ist es wichtig zu wissen, das Silicium von einer Omoseanlage nicht ausreichend reduziert werden kann.

Auswirkungen

Erhöhte Silicium-Werte können ein ganzes Meerwassersystem aus dem Gleichgewicht bringen oder in der Einlaufphase neuer Becken beachtliche biologische Startschwierigkeiten verursachen. Silicium fördert das Wachstum von Schwämmen, Radiolarien (Strahlentierchen), Strudelwürmer und die weniger erwünschten Kieselalgen (Diatomeen). In weiterer Folge tritt oftmals auch die Entwicklung bzw. Überhandnahme der Cyanobakterie in den Vordergrund, die gerne und häufig die Kieselalge als Nahrungsgrundlage nutzt. Daher sollte man bei plageartiger Entwicklung dieser Bakterie auch immer einen weiteren Schritt zurück wagen und bei der Ursachenforschung den Silikat bzw. Siliciumwert des Beckens oder des Osmosewassers beachten. Ist im Beckenwasser kein Silikat per ICP-OES nachweisbar, heißt dies nicht, dass kein Si vorhanden ist. Das Silicium kann in gebundener Form auf diversen Oberflächen vorhanden sein, oder entsprechend schnell aus dem freien Wasser durch Kieselalgen und/oder in letzter Instanz von Cyanobakterien abgegriffen werden. Eine sehr genaue Ursachenforschung sollte hier an erster Stelle stehen. Folgende mögliche Eintragungsquellen sollten überprüft werden: Osmosewasser, diverse Oberflächen (wie Sand, div. Substrate, Filtermaterial, Material Riffaufbau), Wasserzusätze, Salz etc.

Silikat im Becken entfernen

Besteht der Verdacht des unerwünschten Eintrages von Silicium, kann in erster Linie ein geeigneter Silikat-Absorber (Einsatz direkt im Aquarium) eingesetzt werden. Je nach Zustand der Beckenbiologie kann ein Absorber auf Aluminiumbasis (weiße Materialfarbe, reduziert hauptsächlich Silicium und teils Elemente wie Barium) oder ein Absorber auf Eisenbasis (rot-bräunliche Färbung, reduziert den PO4-Wert ebenfalls stark und Elemente wie Aluminium) eingesetzt werden. Das Material wird entweder in einem Filtersäckchen an einer gut durchströmten Stelle im Becken angebracht (bestenfalls in einer Zwangsdurchströmungzone des Technikbeckens) oder in einer geeigneten Filtersäule. Das Material sollte sich im Filter nicht bewegen (um Materialabrieb zu vermeiden) und regelmäßig auf Verklumpung/Verschmutzungen geprüft werden (ggf. mit einer erhöhten Durchflussrate kurzzeitig spülen).

Aufbereitung Nutzwasser

Um das Silikat bei der Wasseraufbereitung ausreichend zu reduzieren (Silikatschlupf), ist es empfehlenswert nach der Osmoseanlage einen Harzfilter zu installieren. Da aber die Kontaktzeit zwischen Osmosewasser und Harz meist zu kurz ist (das Silikat wird trotz Harzfilter nicht vollkommen entfernt), raten wir zu einer separaten Filterung. Hierfür wird die Harzsäule nicht direkt an den Wasserausgang der Osmoseanlage, sondern separat mit einer kleinen Pumpe an den Wasserbehälter des Nutzwassers angeschlossen. Über diesen Weg (eigener separater Filterkreislauf) kann durch eine mehrstündige Filterung des Wassers das Silikat zuverlässig und vollständig entfernt werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Harzsäule ohne Lufteinschlüsse sehr dicht gefüllt ist und von „oben nach unten“ durchflutet wird um eine Trennung (Entmischung) des Harzes zu verhindern.

Bei der Verwendung eines nachgeschalteten Harzfilters (egal ob im direkten Anschluss einer UO oder separat), tritt häufig ein Chromatografie-Effekt auf. Das Silikat wird zwar zurückgehalten, schiebt sich aber im Harzfilter als „Silikatfront“ langsam mit der Fließrichtung Richtung Filterausgang, bis es durchbricht. Man hat dadurch plötzlich extrem erhöhte Silikatwerte im „Reinstwasser“, obwohl durch einen vielleicht erst kürzlich durchgeführten Wassertest noch kein Silikat nachgewiesen werden konnte. Es empfiehlt sich daher, ganz regelmäßig das Osmosewasser durch eine Analyse kontrollieren zu lassen um weitgreifendere Probleme im Aquariumsystem zu umgehen.

Silikat und Leitwert

Silikat kann über eine Leitwertmessung nicht ausreichend erfasst werden. Silikat liegt in Formen vor, die den Leitwert nicht beeinflussen. Ein Leitwertmessgerät misst im Wasser gelöste Ionen. Silikat tritt allerdings kaum als Ion in Erscheinung (des Weiteren übrigens z.B. auch Aluminium). Trotz gemessenem Leitwert 0-Wert kann daher der Silikat-Wert im Messwasser bereits extrem hoch vorhanden sein. Hier sollten unbedingt andere Messmethoden verwendet werden.

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